Briefe aus Pristina

Teil 2: We want the Germans!

Als die NATO im März 1999 mit Luftangriffen die Vertreibung der albanischen Bevölkerungsmehrheit durch die Serben bekämpfte, bedeutete das auch für Deutschland einen Wendepunkt in der Geschichte. Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich wieder deutsche Soldaten im Kampfeinsatz. Im Mai diesen Jahres hat der Bundestag beschlossen, die Truppenstärke weiter zu reduzieren, sodass zurzeit noch rund 2200 Bundeswehrsoldaten im Rahmen der NATO- geführten Schutztruppe KFOR in Prizren stationiert sind. Nur hört man nichts mehr von ihnen.
Wie lange die Bundeswehr noch im Kosovo präsent sein wird, darüber möchte Major Gericke bei unserem Treffen in Prizren nicht spekulieren. Dennoch lässt man sich gerade ein großes neues Wirtschaftsgebäude bauen. „Die Medien interessieren sich natürlich nicht mehr so für uns wie zu Beginn. Dennoch ist unsere Präsenz wichtig, damit ein Progrom wie 2004 nicht noch einmal passiert.“ Damals kam es zu gewalttätigen Unruhen, als albanische Extremisten die letzten Serben vertrieben und orthodoxe Kirchen und Klöster angriffen. Bis heue erinnert sich der Major der Luftwaffe, der auch damals vor Ort war, nicht gern an die Tage des blutigen Aufstandes. „Für Polizeiaufgaben waren wir nicht ausgebildet. Mit Panzern kann man nicht gegen Zivilisten vorgehen.“
“These walls won’t keep them out. They’ll keep you in“, heißt es in dem Lied “Pristina“ von Faith No More. Und die ethnische oder religiöse Frage ist tatsächlich nicht mehr das größte Problem im Kosovo. In Prizren beispielsweise gibt es unter 170 000 Einwohnern nur noch 30 (!) Serben. Dementsprechend ruhig ist die Lage heute. Aber die Arbeitslosigkeit liegt bei 50 Prozent, Korruption und organsierte Kriminalität ziehen sich bis in höchste Regierungskreise.
Dennoch ist die südliche Region des Kosovo, in der die Bundeswehr agiert, die am besten entwickelte und die Soldaten sind bei der Bevölkerung sehr beliebt. Etwas spöttisch meint ein Restaurantbesitzer in Peja (West-Kosovo): „Hätten wir nicht auch die Deutschen bekommen können?“ Eine Frage die uns außerhalb Prizrens öfter gestellt wird. Foto: Martin Parlow, Martin Roth

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